Freie Montessori-Schule Darmstadt

Privatschulen (1)

Lernschritte nach innerem Bauplan

Montessori-Schule: Versuch und Irrtum, Lernbegleiter statt Lehrkräfte und ein Leitgedanke: „Hilf mir, es selbst zu tun“

Die Montessori-Schule hat ihr drittes Schuljahr begonnen. Initiiert von einer Gruppe engagierter Eltern, soll sie Kindern einen Bildungsweg gemäß dem Leitgedanken „Hilf mir, es selbst zu tun“ ermöglichen. Dazu gehören Versuch und Irrtum.

Das gilt nicht nur für die knapp 60 Kinder im Alter von fünf bis derzeit dreizehn Jahren, sondern ebenso für den Vorstand der Schule. Und es gilt für die „Lernbegleiter“, wie die Lehrkräfte in der Bismarckstraße 15 genannt werden: auch sie lernen dazu. So habe man nach dem ersten Schuljahr Strukturen verändert, die den Kindern helfen, mit dem gebotenen Freiraum sicherer umzugehen, berichtet Walter König von der Montessori-Fördergemeinschaft. Dass eine Schule in ihrer Anfangsphase manches revidiert, um neue Gesichtspunkte einzubeziehen, sei unvermeidlich.

Der Weg zu Wissen und eigener Identität ist ein lebendiges Experimentieren. Das Kind als sein eigener Impulsgeber bestimmt das Tempo seiner Lernschritte und entdeckt die Welt unter Nutzung didaktischer Materialien. Lernspiele zu Mathematik, Sprache oder Natur- und Sachkunde werden in Kursen und Projekten eingesetzt. Zugleich soll Bewegungsdrang und Naturerfahrung Rechnung getragen werden. Dazu gehören: mit Sand bauen, Matschen, Pflanzen, Ernten und Tiere beobachten.

Es gibt inzwischen drei Stammgruppen, die der ersten bis dritten, der vierten bis fünften und der sechsten Klassenstufe entsprechen. Neun Pädagogen, davon fünf in Vollzeitanstellung, respektieren den unterschiedlichen Wissensstand und Betreuungsbedarf der Kinder. Sie achten sensible Phasen erhöhter Aufnahmefähigkeit des Kindes ebenso wie die stille Periode des Rückzugs. Die Lernbegleiter beobachten aufmerksam die Entfaltung des „inneren Bauplans“ der Kinder. Die Gruppen mit den lustigen Namen „Weiße Tiger“ oder „Wilde 19“ arbeiten an Tischen, die Lernbegleiter haben einen festen Platz im Raum. Jedes Kind hat eigene Ordner und Fächer und führt ein Lerntagebuch, um die Fülle der Erfahrungen in weiteres Forschen einzubeziehen.

Gemeinschaftsregeln werden in der Gruppe aufgestellt und regelmäßig überprüft. Zentral sind das Lernen in altersgemischten Gruppen und die Förderung individualisierten Lernens. „Nicht alle Kinder tun zur gleichen Zeit dasselbe“, sagt König.

Damit den Kindern Unbekümmertheit im Umgang mit Fehlern sowie kindliche Experimentierfreude und Kreativität erhalten bleiben, wird Leistung nicht in Noten bewertet. Entwicklungsberichte lassen erkennen, wo das Kind steht. „Beurteilung im Sinne von ,ein Urteil fällen' gibt es bei uns nicht“, betont König.

Die Arbeit in den Stammgruppen wird umrahmt vom Ritual des Begrüßungskreises, in dem jedes Kind Raum hat, zu erzählen, was ihm auf der Seele brennt. An kreativen Projekten, Ausdrucksmalen oder psychomotorischer Bewegungsanleitung nehmen die Kinder in Kleingruppen teil.

Ron Brown ist Lernbegleiter für Englisch. In pfiffigen Rollenspielen lehrt er, die englische Sprache zu verstehen und anzuwenden. Schreiben gehört für die Kleinsten noch nicht dazu. Bei spezifischen Angeboten werden Eltern mit einbezogen – sei es eine Einführung in Chemie, das Anlegen von Hochbeeten oder die Vorbereitung eines Theatermusicals.

„Bei der Vielfalt der Angebote und Ideen platzen wir aus allen Nähten“, stellt König fest. Dringend wird schon länger ein neues Gebäude gesucht, denn auch eine Kleinkindergruppe soll langfristig angegliedert werden. Die Anmeldeliste ist lang, Pläne, sich zur weiterführenden Ganztagsschule mit Haupt- und Realschulabschluss zu entwickeln, sollen mit dem neuen Schuljahr Wirklichkeit werden. Zwei verbindlich betreute Nachmittage für die Klassenstufe eins bis drei und drei Nachmittage für die Klassenstufe vier bis sechs gibt es derzeit. So wächst die bunte Schule aus ihren Kinderschuhen heraus und wird mehr und mehr zum Lebensraum umfassender Erfahrungen.

Charlotte Martin
13.9.2008

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