Freie Montessori-Schule Darmstadt

Erziehung: Verein will Montessori-Schule gründen und im kommenden Jahr starten – Suche nach Räumlichkeiten

„Lernen gelingt am ehesten, wenn Kinder aktiv, selbst bestimmt und ohne Angst sein können.“ Von dieser These, die auf Maria Montessori zurückgeht, ist Christiane Schär zutiefst überzeugt. Deshalb will sie mit weiteren Mitgliedern der Montessori-Fördergemeinschaft Darmstadt eine weitere Alternative zu staatlichen Schulen schaffen und zum kommenden Schuljahr 2006/2007 eine private Montessori-Schule in Darmstadt eröffnen.

Weil man laut Schär davon überzeugt sei, „dass Kinder zum Lernen freie Entfaltungsmöglichkeiten brauchen, ohne zu viel vorzugeben“, gründeten im März 2003 sieben Personen einen Verein, um die Montessori-Pädagogik zu verwirklichen. Vorsitzende Gabi Paul ist selbst Trägerin eines Montessori-Diploms. Zunächst schrieben die Verantwortlichen alle Grundschulen in Darmstadt an. „Der Schritt, eine Privatschule zu gründen, war uns noch zu groß“, sagt Christiane Schär. Die Ludwig-Schwamb-Schule in Eberstadt zeigte Interesse und hat heute in ihren ersten Klassen bereits Montessori-Inhalte integriert (wir berichteten). Von anderen Schulen kam keine Resonanz. Das Projekt drohte im Sande zu verlaufen.

Doch als der Verein in Bessungen ein Haus zur Miete angeboten bekam, lebte die Idee, eine Schule zu gründen, wieder auf. Mittlerweile hat sich die Aussicht auf das Haus zerschlagen, doch die Vorbereitungen auf die Schulgründung laufen weiter. Die Montessori-Fördergemeinschaft sitzt in den Startlöchern. Außer den 50 Mitgliedern stehen noch weitere 25 Interessierte hinter diesem Ziel. 28 Kinder sind bereits angemeldet. In Arbeitsgruppen zu den Aufgaben Gebäudesuche, pädagogisches Konzept und Finanzierung bereiten die Mitglieder die Schulgründung vor.

Das Konzept wird demnächst beim Kultusministerium eingereicht. Die ersten drei Jahre muss die Privatschule ohne Landeszuschüsse auskommen. Deshalb läuft bei der Fördergemeinschaft neben der Haussuche auch die Sponsorensuche auf Hochtouren.

Die Schule soll mit einer Klasse starten: zwei Lehrer für 20 altersgemischte Kinder. Später will man auf 50 Kinder in zwei Gruppen aufstocken. Fernziel ist nach Angaben von Christiane Schär sogar, einen Montessori-Kindergarten zu gründen. Einen Grundschullehrer mit Montessori-Diplom hat der Verein bereits an der Hand. Ein weiterer Lernbegleiter, wie die italienische Ärztin und Pädagogin Maria Montessori (1870 bis 1952) die Lehrer bezeichnete, wird noch gesucht. Das Schulgeld wird zwischen 200 und 250 Euro monatlich, die Aufnahmegebühr 700 Euro betragen.

Was aber noch fehlt, ist ein geeignetes Haus. Der Verein würde seine Schule vorzugsweise in Bessungen ansiedeln und sucht dazu ein Haus mit mindestens 120 Quadratmetern, einem großen Raum, drei kleineren Räumen sowie einem kleinen Außengelände.

Das Unterrichtskonzept soll bis 11 Uhr eine so genannte Freiarbeitszeit beinhalten, danach folgt Projektarbeit, Englisch wird ab der ersten Klasse angeboten. Dabei soll der hessische Rahmenlehrplan, der auch für Privatschulen gilt, erfüllt werden.

Maria Montessori stellte in ihrer Pädagogik das individuelle Interesse des Kindes in den Mittelpunkt. Nach dem Leitsatz „Hilf mir, es selbst zu tun“ begleiten Erwachsene entsprechend den Lernwunsch der Kinder, beobachten sie und helfen ihnen. Oberstes Ziel der Montessori-Pädagogik ist nämlich die Unabhängigkeit des Kindes von Erwachsenen.

„Kinder wollen groß und unabhängig sein, sie wollen lernen“, sagt Christiane Schär. „Wir dürfen sie nur nicht daran hindern, in dem wir ihnen vorschreiben, was sie wann, wo, wie und mit wem lernen sollen.“ Nach Maria Montessori trägt jedes Kind einen „inneren Bauplan“ in sich und strebt nach Entfaltung seines Potenzials. Der Lernprozess geschieht von innen heraus und ist kein von außen gesteuerter Prozess. Jedes Kind hat nach Ansicht der Pädagogin eigene „sensible Phasen“, in denen es für bestimmte Lerninhalte empfänglich ist, es verfüge über einen „eigenen Rhythmus, in dem es die Welt entdecken will“. Deshalb müsse die Schule die äußeren Gegebenheiten, die Maria Montessori mit „vorbereiteter Umgebung“ bezeichnet, bieten – ein Angebot an Materialien, aus dem ein Kind ohne Zwang frei wählen könne.

Die Montessori-Fördergemeinschaft informiert über ihr Projekt am Dienstag (11.) um 20.30 Uhr in der Bessunger Knabenschule.

Rebecca Keller
5.10.2005

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